Momentaufnahme: Der HSV Weihnachten 2016

Ich bin von klein auf an HSV-Fan. Es wurde mir in die Wiege gelegt. Keine Chance einen anderen Verein zu mögen. NUR DER HSV! trifft es bei mir genau. Und auch „Danke, Papa, dass ich kein Bremer geworden bin“ und „Ich mag zwei Vereine: Den HSV und das Team, welches den SV Werder schlägt“.

So, dann ist das schon mal geklärt.

Aber was aktuell bei meinem HSV abgeht, geht eigentlich gar nicht.  An die ständigen Trainerwechsel hat man sich ja fast schon gewöhnt. Fast. Ok, nun wird der Vorstandsvorsitzende Didi Beiersdorfer freigestellt. Man sagt es ihm, aber nicht der Öffentlichkeit. Irgendwie sickert es dann aber doch durch und man muss umdisponieren und doch an die Öffentlichkeit gehen. Nun kommt Heribert Bruchhagen, einer unserer Manager aus den 90er, zurück aus der Fußballrente. Zuvor 13 Jahre in gleicher Position bei Eintracht Frankfurt tätig, nun also back in town.  Herzlich Willkommen. Doch bevor er offiziell vorgestellt werden kann, legt Karl Gernandt, unser Aufsichtsratsvorsitzender, sein Amt nieder. Die Indiskretionen schädigen nicht nur das Ansehen des Vereins in der Öffentlichkeit, er möchte nicht ständig dafür verantwortlich gemacht werden…

Dabei hatte die Bundesligamannschaft zu Saisonbeginn gerade einen Negativ-Rekord nach dem anderen aufgestellt. Nach zehn Spielen 8 Niederlagen und lediglich 2 Remis. (1:1 zu Hause im ersten Spiel gegen Ingolstadt und ein 0:0 in Mönchengladbach, wobei die Gastgeber das Kunststück fertig brachten neben 90 Minuten Einbahnstraßenfußball,  über 60 Minuten Überzahl nach Platzverweis für Cleber, auch noch zwei Elfmeter zu verschießen.) Doch dann wachte das Team plötzlich auf. 2:2 bei den bisher unbesiegten Hoffenheimern, 2:2 zu Hause im Nordderby gegen dieses kleine Fischerdorf, südlich von Hamburg. Dann ein 2:0 Auswärtserfolg bei Darmstadt 98 und dann ein dreckiges, aber verdientes 1:0 zu Hause gegen Augsburg, dazu eine ganze Weile wegen einer roten Karte in Unterzahl. 8 Punkte in vier Spielen, nicht schlecht, man denkt es geht langsam wieder Aufwärts. Außerdem steht das Team nun nicht mehr auf Rang 18, nein wir sind auf 16 vorgerückt. „Unseren“ Relegationsplatz. und dann dieses ganze Theater drumrum. Da verliert man bald die Lust noch irgendwelche Berichte über seinen Club zu lesen.

Hoffen wir mal, dass nun alles besser wird. Allerdings, und das muss man sagen dürfen: das denke ich jedes Mal. Nach jedem Trainerwechsel, nach jedem Managerwechsel, und nun nach dem neuen Vorstandsvorsitzenden auch wieder. Irgendwann muss es doch mal wieder bergauf gehen. Andere Mannschaften mit weniger Kapital und vor allem Zuschauern, Fans, Anhängern usw. schaffen das doch auch… Nun sind wir also wieder mal dran. NUR DER HSV!

Ergänzung am 21.12.2016 – Gestern, am Dienstag, war der letzte Spieltag 2016 – Heimspiel gegen Schalke 04. Nur 50.000 Zuschauer, für Schalke erschreckend wenig, aber andererseits ein schlechter Termin, wenige Tage vor Weihnachten, unter der Woche. Na ja, egal. Einige Freunde waren entsetzt vom Spiel der Hamburger, im Fernsehen hieß es auch „kein tolles Spiel“, doch ich sehe das anders. Die Rothosen haben von Anfang an Druck gemacht. Keinen Ball verloren gegeben, keinem Zweikampf aus dem Wege gegangen. Sie haben die Knappen direkt am eigenen Strafraum angegriffen und so immer wieder Fehler provoziert. Das ganze wirkte vielleicht taktisch nicht wer weiß wie schön, aber es war Feuer drin. Das Spiel war schnell und mit Leidenschaft geführt. Schalke kam kaum zum Luft holen. Die beiden Tore fielen spät (61. und 82., N.Müller und Bobby Wood), der Anschlusstreffer zum 2:1 Endstand erst in der 91. Minute. Dazu kam allerdings noch ein leichtfertig vergebener Foulelfmeter durch Djourou. Den hätte fast jeder im Stadion mit mehr Schmackes geschossen… Aber egal. Gewonnen. Von den letzten sechs Spielen zwei mal Remis, drei mal gewonnen und lediglich eine Niederlage in Mainz am letzten Sonnabend. Eine solche Tendenz auf die ganze Saison hochgerechnet ergäbe 62 Punkte – das würde leicht für die Europa League, vielleicht sogar für die CL reichen. Heute Mittag wurde es dann offiziell bestätigt: Dietmar Beiersdorfer bleibt nicht beim HSV, nicht als Sportchef und auch in keiner anderen Position. Auch wenn es mir persönlich um ihn leid tut, vermutlich besser so, wenn endlich einmal Ruhe einkehren soll in Hamburg.