Unser Hausbau – Teil 1 oder „Wie alles begann“

Wir haben ein schönes Häuschen mitten im Ort. Das bedeutet kurze Wege zum Einkaufen oder zu Freunden, egal auf welcher Ortsseite sie wohnen. Dazu haben wir ein recht großes Grundstück. Großes Grundstück = viel Rasenmähen. So mit allen Ecken, Kanten und Böschung braucht man für einmal Rasen kürzen so um und bei vier Stunden. Also nichts, was man „mal eben nach Feierabend“ machen kann. Im Gegenteil, man ist im Normalfall immer aufs Wochenende angewiesen und dann massiv vom Wetter abhängig. Also haben wir uns im Jahr 2018 überlegt: Wir haben so viel Rasen – da kann man doch was mit machen, zum Beispiel ein Haus bauen. Und was machen wir mit dem „alten“? Erster Gedanke: Vermieten. Dann nachdenken. Oh nö, was kann da alles passieren? Mietnomaden, Messis, „Verwohner“. Nein danke, ein Alptraum, unsere Küche z.B. sieht trotz ein paar Jährchen auf dem Buckel noch top aus. Hat natürlich ihre Gebrauchsspuren, ist ja klar, wenn man tagtäglich darin kocht und abwäscht. Aber keine Dellen, Risse oder sonstige Defekte. Und wenn ich manchmal in Ferienwohungen sehe, wie manche Leute mit dem Inventar umgehen – nein danke, solche Mieter möchte ich nicht haben. Also, andere Idee, das Grundstück teilen, das „alte“ Haus verkaufen und auf dem leeren Grundstück dann ein neues bauen. Und dieses dann auch schon einmal „Altengerecht“. Kann ja nicht schaden und wir werden ja alle nicht jünger.

Grundstück leer

So sieht das Grundstück aus dem Garten heraus aus. Und hier sollte nun ein neues Haus für uns entstehen. Dafür mussten wir natürlich einiges tun. Beim Verkauf des alten Hauses wollten wir natürlich einen guten Preis erzielen. Da wir im Laufe der Jahre alle möglichen Dinge bereits erneuert oder zumindest ordentlich in Stand gehalten hatten, hielt sich der Aufwand hier in Grenzen. Aber gestrichen werden musste es wieder einmal. Aber nicht nur das: die Käufer würden ja auch unsere Nachbarn werden. Und da wir bisher zu allen anderen Nachbarn ein sehr gutes und entspanntes Verhältnis hatten, sollten wir hier schon genau hinschauen an wen wir verkaufen. Denn auch hier sollten es „nette“ Menschen sein.

Die Bäume und Büsche mussten natürlich auch gerodet werden. Hierfür haben wir im Herbst 2018 ein paar Fachleute vor Ort gehabt, die nicht nur die Bäume gefällt, sondern auch direkt alles klein gesägt bzw. Äste und Strauchwerk gescreddert haben. Das Holz selbst ging zu unseren Nachbarn, die die Stämme dann spalten, stapeln und trocknen werden, damit sie es später in ihrem Ofen zum Heizen verwenden können.

Als nächstes musste das Grundstück geteilt werden. Das war relativ einfach, wenn auch nicht ganz preisgünstig. Ein damit beauftragtes Ingenieurbüro aus Lübeck hat die Vermessung gemacht, uns auch noch ein, zwei Tipps zur neuen Grundstücksgrenze gegeben und auch mit dem Katasteramt alles weitere in die Wege geleitet. Ein weiteres Ingenieurbüro haben wir dann mit Bodenproben beauftragt. War auch ganz einfach, da kommt ein LKW, bohrt ein paar Löcher in den Boden und nur wenige Tage später hat man ein Schreiben, in dem einem die Bodenbeschaffenheit genauestens dargelegt wird. Ok, so als Büro- oder IT-Fuzzi hat das irgendwie so gar keine Aussagekraft, aber man kennt ja Leute, die einem das erklären.

Und egal, wie schnell und gut die Leute alle gearbeitet haben: Die wissen auch, was ihre Arbeit wert ist. Rechnungen im dreistelligen Bereich gibt es heute anscheinend gar nicht mehr…Und eine Finanzierungszusage hatten wir natürlich auch noch nicht. Noch lange nicht. Aber so lange ein wenig Geld auf dem Sparkonto ist…

Apropos Finanzierung. Bauen ist heutzutage ja ein Witz. Alles total easy, Geld ist so was von günstig, da kann ja jeder bauen. Schon klar. Wer es dann tut, wird diese Worte dann zukünftig anders verstehen. Obwohl wir unser neues Haus nur zu einem überschaubaren Teil finanzieren mussten, wollten die Banken wirklich alles von einem wissen. Wer glaubt, es geht nur um die Fragen „was verdienst Du“ und „wie viel Eigenkapital hast Du“ geht, der täuscht sich. Aber so richtig. Auf gut Deutsch übersetzt heißt das: Machen Sie sich mal frei. Ganz. So richtig nackig. Auch die Unterbüx. Und jetzt drehen Sie sich bitte mal um und ziehen die Pobacken auseinander… So kam ich mir teilweise vor. Unglaublich.

Grundstück leer, von der Straße aus gesehen.

Also, die Finanzierung ist das eine. Dann zurück zum Verkauf. Wir wollten nicht jeden Tag drei bis fünf geführte Hausbesichtigungen für Neugierige machen. Also haben wir den Hausverkauf an einen Makler unseres Vertrauens übergeben. (Im übrigen: Johanna und Peter Muhs können wir nur empfehlen!) Und potentielle Käufer kamen. Auch mit guten Angeboten. Allerdings mit teilweise nicht oder nur schwer umsetzbaren Vorstellungen. Entweder „sie müssen sofort ausziehen, wir brauchen es schnellstmöglich“ (fiel eigentlich aus, denn durch den Friseursalon im Souterrain und den damit verbundenen Einnahmen und ja auch der Kundenbindung war das irgendwie nicht unser Plan.) Andere wollten gern, dass das Friseurgeschäft auch nach dem Kauf im Hause bleiben sollte – sie brauchten die Mieteinnahmen zur Finanzierung des Kaufs. Entsprach auch nicht unseren Vorstellungen. Aber dann, im Frühjahr 2019, kamen die richtigen. Das Haus hat ihnen gefallen, die Lage, die Situation mit den Nachbarn, Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten und die Nähe zur Ostsee. Passte alles. Der Preis auch und so wurden wir uns einig. Wobei wir wieder zum Thema Banken und Geld und Finanzierung kommen. Die Finanzierung hatten sie natürlich vorher geklärt. Und die erforderliche Summe war auch zugesagt. Dann kam jedoch erst mal die Enttäuschung als die Bank sagte: Die Summe ja, aber nicht für das Haus. Zu alt, zu teuer. Ein dann bestellter unabhängiger Sachverständiger schaute sich das Haus an und urteilte dann wohl anders. Mit ein wenig Verzögerung konnte der Kaufvertrag dann doch Mitte Mai geschlossen werden.

Nun konnte es also weitergehen.