Vielen Dank Idefix!

Mit tränenden Augen nehmen wir Abschied von Idefix, unserem unermüdlichen und treuen Begleiter. Nach über 380.000 km in 13 Jahren haben wir uns nun von ihm getrennt.

 

Am 20. Oktober 2004 wurde er das erste Mal für den Straßenverkehr zugelassen. Und dann auch noch gleich auf mich. Mit dem Kennzeichen OH – C 335 brachte er mich die ersten Jahre zu Kundenterminen oder uns privat überall hin. Ob nach Bad Nauheim, nach Oberstdorf, St. Peter-Ording, nach Sylt, nach Skagen oder Berlin, nach Rügen oder in die Pfalz, nach Österreich in die Wachau, nach Ruhpolding oder an den Bodensee, nach Leipzig, Görlitz, Záry (Polen) und den Spreewald und keine Ahnung wo wir in all den Jahren noch überall waren. Am 22. Oktober 2007 erhielt er ein neues Kennzeichen: OH – ID 57 und damit wurde sein neuer Spitzname geboren: Idefix. Nach diesem kleinen und eben unermüdlichen Racker, der Asterix und Obelix bei ihren Abenteuern immer begleitet. Und genau so wie Idefix bei seinem gallischen Herrchen immer dabei war, war unser Audi bei uns dabei.

Für damalige Verhältnisse war er eigentlich schon recht teuer (40.000€ nach einigen ausgehandelten Rabatten) aber wie ein Freund und Service-Leiter bei Audi Lübeck damals sagte: „da habt ihr aber auch nach oben ins Regal gegriffen“.  Angetrieben wurde er von einem wunderbaren Sechszylinder-Aggregat: 2,5 Liter Hubraum und 120kw, bzw. 163PS. 310 Nm sorgten für den Vortrieb und brachten ihn nach Werksangaben in 9,0 Sekunden von null auf einhundert Stundenkilometer und erst bei 224 km/h endete die Beschleunigung (wobei auf dem Tacho tlw. die 250 angekratzt wurde). Dank seiner Anhängerkupplung konnten wir uns auch hin und wieder mal einen Anhänger bei Freunden oder Bekannten ausleihen und auch schwere Lasten problemlos ziehen. Häufiger nutzten wir diese Möglichkeit jedoch für unseren Fahrradträger um auch einmal entfernt von zu Hause die Gegend per pedes zu erkundigen.

In den dreizehn Jahren hat er uns lediglich zwei Mal ein klein wenig enttäuscht. Wobei, das erste mal war schon eine große Enttäuschung. 2011 war es, auf dem Weg von Lübeck nach Hause gab es in Stockelsdorf einmal ein komisches Geräusch aus Richtung Motor. Und dieses blieb auch bis zu Hause so. Auch Ilona bestätigte mir, dass dieses Geräusch da nicht hingehörte. Also zurück nach Lübeck zu Audi gefahren. Schnell diagnostizierten die Mechaniker einen nicht reparablen Motorschaden. Kosten für ein Ersatz-, bzw. Austauschtriebwerk ca. 12.000€. Aber gern könnte ich den Wagen auch dort lassen und mir was neues aussuchen. 1.500€ würde man uns für den „Schrott“ wohl noch geben. Dieses großzügige Angebot habe ich dankend abgelehnt und bin einmal um die Ecke gefahren, zur Firma Kindt Motoreninstandsetzung. Kurze Begrüßung durch einen Meister, Auto und Geräusch geschildert und die erste Frage lautete: „2,5 Liter 6-Zylinder? Hat er 200.000km gelaufen?“ Mein Blick sprach wohl Bände. 202.000km hatte er auf der Uhr. Seine Erklärung für diese Frage: „Wenn bei dem Wagen der Motor aufgibt, dann bei 200.000 oder nie!“ Grund: Die Nockenwelle bei diesem Modell war nämlich nicht mehr, wie früher und wohl auch später wieder, aus einem Stück gefräst worden, sondern aus Kostengründen waren die Nocken auf die Welle aufgeklebt (?) worden. Und nach eben dieser Laufleistung rissen sie entweder ab oder hielten eben ewig. Ok, eine Instandsetzung kostete uns dann „nur“ 5.000€. Im Vergleich zu Audi ein Schnäppchen. Und danach schnurrte er auch wieder wie eh und je.

Das zweite Mal war dann im Jahr 2016 auf der Rückfahrt aus Oberstdorf. Auf der Autobahn A7 in Höhe Göttingen hat er uns gesagt, er bräuchte eine Pause. Das hat er uns durch das aufleuchten sämtlicher Lämpchen im Display angezeigt. Wie der herbeigerufen ADAC-Mechaniker diagnostizierte, hatte die Lichtmaschine den Geist aufgegeben. Der gelbe Engel musterte kurz den Audi und sagte: „so eine Lichtmaschine hält ungefähr 200.000 km, ist halt ein Verschleißteil“. Idefix hatte zu diesem Zeitpunkt bereits fast 360.000 km auf der Uhr. Also alles gut. Diese kleine Panne  kostete uns zwar 600€, allerdings bekamen wir vom ADAC auch eine Übernachtung in einem netten 4-Sterne-Hotel und die Gelegenheit Göttingen endlich einmal als Stadt und nicht nur vom Autobahnschild kennen zu lernen. Und wir können sagen: ein nettes Städtchen, ein Besuch lohnt sich immer.

Außer diesen beiden Pannen, haben wir nur in Verschleißteile investiert. Regelmäßig waren neue Reifen und Bremsen (mal Belege, mal komplett) fällig, drei mal haben wir den Zahnriemen wechseln lassen. Häufig allerdings waren Glühbirnen zu tauschen – das war in all den Jahren das einzig negative und auch auffällige. Und über einen neuen Stellmotor für die Heckklappe (49€) und einen neuen Motor für den Fensterheber vorne links (64€) kann man in dem Zusammenhang ja wohl auch nicht meckern.

Nun also ist es soweit. Nach 13 Jahren, eben 380.000 km und damit ca. 23.200 (!) Litern Diesel (verbunden mit ca. 450 Tankstellenaufenthalten und ca. 340 Autowäschen) endet nun dieses Autoleben. Im Zuge des Diesel-Skandals, von dem Idefix nicht betroffen war, möchte Audi nun die Käufer von Neuwagen oder neuen Gebrauchten überzeugen ihren „Alten“ verschrotten zu lassen. Das heißt, Idefix bekommt kein neues Herrchen, sondern sein Autoleben endet nun.

Aufgrund der Tatsache, dass Idefix nun eben nicht mehr der Jüngste ist und wir es uns nicht leisten können/wollen, im Januar oder auch später auf diese Umstiegsprämie zu verzichten, haben wir uns also für einen neuen entschieden. Es wird kein neuer Idefix, denn der war einmalig. Der Neue wird der Dicke sein, Idefix jüngerer, aber größerer Bruder. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Idefix für jeden einzelnen Kilometer und den vielen, vielen Fahrspaß, den wir gemeinsam hatten. Und wir werden Dich nie vergessen, treuer Freund.

 

Veröffentlicht in Audi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.